Was macht Rollenspiel so interessant?

Wer einmal versucht hat nachzuvollziehen, was an Rollenspiel so interessant sein soll, ohne es selber auszuprobieren, wird vermutlich gescheitert haben. Einer Rollenspielrunde bei ihrem Treiben zuzuschauen oder Rollenspieler auszufragen, hilft dabei auch nur bedingt weiter. Die beste Möglichkeit Rollenspiel zu verstehen, ist und bleibt es zu erleben.

Trotzdem soll hier versucht werden die Faszination, die von Papierrollenspiel ausgeht zu erklären.

Spaß, Spannung, und was zu Knobeln

Das sind ja drei Sachen auf einmal! Das geht nun wirklich nicht! Oh doch, und zwar mit Rollenspiel. Der Faktor Spaß ist etwas sehr wichtiges. Eine Gruppe, in der es todernst zugeht und Langeweile vorherrscht, ist meist zum Scheitern verurteilt. Zusammen Spaß haben, die Spannung fühlen, wenn man zu neuen Abenteuern aufbricht, oder die Befriedigung, ein Rätsel gelöst zu haben, sind wichtige Grundelemente von Rollenspiel.

Gruppengefühl

Die Gruppe ist für das Rollenspiel ebenfalls sehr wichtig. Ein Spieler alleine wird keine große Freude am Spiel haben, und eine Gruppe, in der die Spieler gegeneinander anstatt miteinander spielen, wird sehr schnell an die Grenzen der Spielbarkeit stoßen.

Soziale Interaktion und Kooperation

Wie schon gesagt, spielt man Rollenspiele gemeinsam. Der Spielleiter führt seine Gruppe durch ihre Abenteuer und die Gruppe arbeitet gemeinsam auf ein Ziel hin. Gerade diese Kooperation und die Möglichkeit, seinen Charakter mit den anderen sozial interagieren zu lassen, sind zwei der faszinierendsten Aspekte beim Rollenspiel.

Soziales Experimentierfeld (Funktion der Spielwelt)

In der realen Welt muss man jede Handlung genau abwägen, da man mit den Konsequenzen ein Leben lang leben muss. In der Spielwelt ist das zwar grundsätzlich genauso, aber man hat hier mehrere Möglichkeiten. Man kann versuchen Wiedergutmachung zu leisten oder den Charakter zu wechseln, so dass Fehler, die man gemacht hat, vergessen sind. Dies bietet einem auch die Freiheit zu experimentieren. So kann der eigene Charakter Verhaltensmuster ausprobieren, die einen schon immer mal interessiert haben, die man aber wegen der Konsequenzen im realen Leben nie ausprobieren würde.

Die Spielwelt selbst

In allen Spielwelten existieren Dinge und sind Dinge möglich, die in unserer Welt undenkbar sind. Es existiert Magie, die Welt ist von unglaublichen Rassen bevölkert und bietet eine große Handlungspalette für "Heldentaten". Dies erzeugt einen starken Kontrast zu der realen Welt.

Freiraum für "das zweite Ich"

Jeder von uns hat eine sehr vielschichtige Persönlichkeit. Durch gesellschaftliche Zwänge können wir jedoch meist nur einen sehr kleinen Teil dieser Schichten in uns ausleben. Der Rest schlummert versteckt in uns, bereit in Tagträumen an die Oberfläche zu treten. Rollenspiele bieten genau hierfür die optimale Voraussetzung. Man kann jemanden darstellen, der genau die Wesenszüge hat, die man tief in seinem Innern spürt, aber verdrängt. Der Charakter wird zu einem Spiegel des Ichs.

Einzigartigkeit der Charaktere

Jeder Charakter, den man spielt, ist einzigartig. Jeder handelt und reagiert etwas anders, hat andere Vorlieben und Nachteile und stellt so eine neue Herausforderung dar.

Besondere Fähigkeiten und Schwächen

Die Charaktere in der Spielwelt haben Fähigkeiten, wie wir sie nur aus den Filmen kennen. Magier, die Feuerbälle werfen können, Kämpfer, die es mit 10 Gegnern aufnehmen können usw. Aber auch diese Helden haben kleinere und größere Schwächen. Diese reichen von schlechten Angewohnheiten bis zu ausgewachsenen Phobien. Dieser scheinbare Gegensatz und die Konsequenzen, die sich daraus für das Rollenspiel ergeben, sind ein sehr faszinierender Aspekt.

Sichtbare Weiterentwicklung und Erfolgserlebnis

Auch dies ist sehr wichtig. Man sieht, wie sich der Charakter weiterentwickelt, wie er Dinge hinzulernt, und man kann sie genau abschätzen, da die Charakterwerte in einem numerischen System niedergelegt sind. Außerdem geht die Entwicklung des Charakters in einem viel schnelleren Tempo vonstatten, als dies in der realen Welt der Fall wäre. Gleichzeitig erlebt man Erfolgserlebnisse, wenn man eine Aufgabe gelöst hat und der Charakter dabei erfahrener geworden ist. Das ist sehr wichtig für die Faszination des Rollenspiels.

Heldentum, Überlegenheit und Macht

Die Charaktere in einem Rollenspiel nehmen oft direkten Einfluss auf das Geschehen in der Spielwelt. Mit der Zeit werden sie immer mächtiger, und ihre Heldentaten werden allgemein bekannt und bewundert. Außerdem sind sie dem normalen Volk meist durch ihr Heldendasein überlegen. Mit der Zeit kann sich aus einem schwachen Abenteurer ein großer Held entwickeln, der über viel Einfluss und Macht verfügt.